KLOSTER- UND HEIMATGESCHICHTSVEREIN- KNIEBIS


 
 

Die Kniebiser Parzelle-Langenhardt

Im Jahr 1772 reichte Christian Wein ein Gesuch ein mit der Bitte, das Neugereut und den Heidenberg auf dem Langenhardt zu einem Baufeld richten und dort eine Behausung erbauen zu dürfen. Im Jahr 1774 wurde dieses Haus von der Stadt Freudenstadt in die Brandversicherung aufgenommen. Wenn Anfangs nur ein Haus im Forbachtal zwischen Freudenstad und dem Kloster Kniebis stand das von zwei Familien bewohnt wurde, so kamen später noch weitere Häuser dazu.

Das Köhlergeschlecht Wein soll einer Überlieferung nach aus Tirol stammen. Als immer mehr Gruben und Bergwerke ab dem 15. Jahrhundert entstanden, nahm die Besiedelung in unserer Region langsam zu. Herzog Christoph und Herzog Friedrich von Württemberg setzten sich verstärkt für den Abbau von Silber und Kupfer ein. Es wurden Anlagen im Forbachtal zur Verhüttung gebaut, die bereits1778 über 48 Gebäude umfasste. Aber nicht nur die Hüttenwerke sondern auch die unzähligen Glasmacher und Glashütten in unserer Region benötigten Unmengen an Holzkohle zum Schmelzen und Verarbeiten von Metallen und Glas.Überall da, wo Holz und Holzkohle in großen Mengen gebraucht wurden, reichten die vorhandenen Arbeitskräfte nicht aus. Einige Waldgewerbe, die in unserer Gegend besondere Bedeutung hatten, sind zunächst die Holzhauer, Flößer, die Glaser und Glasmacher sowie der Köhler. Da alle diese Waldleute ihrem Rohstoff  „Holz“ nachziehen mussten, konnten sie nur bedingt oder nur zeitweilig sesshaft werden. Da die besagten Waldleute in unserer Gegend meist mit ihren Familien im Wald lebten, genügt nicht, in den Schlagwäldern und Kohlwäldern Hütten oder Blockhäuser als Unterkünfte für die arbeitenden Männer zu bauen, vielmehr entstanden kleine Siedlungen mit einfachen Häuser als Wohnungen für die Familien. Einige dieser Waldsiedlungen bestehen noch heute, wie zum Beispiel Zwieselberg, Steinwald, Ochsenhardt auf dem Kniebis, Tonbach oder Schönegründ.

Nach dem Tod von Christian Wein sen. endete das Köhlergeschlecht auf dem Langenhardt. Alt Christian Wein hatte keine leiblichen Erben, weder aus seiner ersten, noch aus seiner zweiten  Ehe. Deshalb hat er das Haus auf dem Langenhardt im Jahr 1779 durch einen Kindskauf an seinen Stiefsohn Johann Martin Klaiß(le) übergeben. Im Jahr 1897 wird Georg Klaißle (Langhardter Schorsch) geboren. Sein Geburtshaus, das rechts oben am Waldrand stand wurde bereits 1943/44 auf drängen der Stadt Freudenstadt abgerissen. Bereits 1925 erbaute Georg Klaißle an der Kniebisstraße (Reichsstraße Nr. 28) ein neues Haus das er „Pension Klaißle“ nannte. Während inzwischen 4 Familien in zwei Häuser auf dem Langenhardt wohnten und hauptsächlich Landwirtschaft betrieben, Bauer, Fuhrleute und Holzhauer waren.

Am 7. November 1942 erhalten die 4 Familien in Langenhardt Kniebis vom Bürgermeister der Stadt Freudenstadt folgendes Schreiben:

Aus gesundheits- und sicherheitspolizeilichen Gründen wird den Herren

  1. Gottlob Klaißle, Fuhrmann auf dem Langenhardt

  2. Jakob Friedrich Klaißle, Bauer und Fuhrmann auf dem Langenhardt

  3. Georg Klaißle, Holzhauer auf dem Langenhardt

  4. Friedrich Klaißle, Bauer und Fuhrmann auf dem Langenhardt als Inhaber eines Landwirtschaftsbetrieb auf der Parzelle Langenhardt zum Zwecke der Abstellung der Mängel in der öffentlichen Wasserversorgung für die Stadt Freudenstadt. Nach dem Gutachten des Württemb. Medicinal Landesuntersuchungsamtes Stuttgart vom 3.September 1942 ist auf Grund mehrfacher bakteriologischen Untersuchungen und Quellmessungen festgestellt worden dass das sonst reine Quellwasser des für die öffentliche Wasserversorgung von Freudenstadt benützten „Jakobsbrunnen“ durch die Bewässerung aus dem Forbach abzweigenden Kanal Nr.3 und die Oberflächendüngung der auf dem Langenhardt liegenden landwirtschaftlichen Betrieben der oben genannten 4 Landwirte wesentlich verschlechtert wird“

Auszug eines Briefes vom Bürgermeister der Stadt Freudenstadt

Dr. Blaicher

Was sich über Jahrzehnte abgezeichnet hatte, wurde nun traurige Gewissheit. Am 28. November 1963 berichtet „Der Grenzer“ in einem in einem Pressebericht über den  Abbruch der zwei Anwesen der Familien Klaißle an der Bundesstraße 28 zwischen Freudenstadt und Kniebis.

Die Eigentümer haben inzwischen ihre neuen Häuser, die auf dem Kniebis gebaut wurden, bezogen. Die Umsiedlung wurde notwendig, um ein Beeinträchtigung der Freudenstädter Quellenfassung zur Wasserversorgung auszuschließen.

Doch wieder hatten die Familien Klaißle Nachteile.Die Landwirtschaft die die Klaißle noch auf dem Langenhardt betrieben, musste aufgegeben werden, da auf dem Kniebis kein Gelände vorhanden war. So nannte Georg Klaißle beispielsweise am Langenhardt 60 Ar sein Eigen. Am Kniebis hat er 28 Ar wieder bekommen, das andere wurde abgelöst. Die kosten für Abriss und Entsorgung der Häuser am Langenhardt und den Baugrund der neuen Häuser auf dem Kniebis übernahm die Stadt Freudenstadt. Für die Baukosten der neuen Häuser mussten die Familien Georg und Eugen Klaißle selbst aufkommen.

Aber die Umsiedlung brachte nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile. So erkannten die Familien in den 60er Jahren die Zeichen des aufstrebenden Tourismus auf dem Kniebis und an der Schwarzwaldhochstraße und schlossen sich diesem Trend an.

Auf die Frage, wie es ihnen auf dem Kniebis gefällt, meinte Frieda Klaißle: Wir haben uns auf dem Langenhardt immer wohl gefühlt, aber hier gefällt es uns auch.


W. Hug

Kloster- und Heimatgeschichtsverein Kniebis

Literaturnachweis:

Freudenstädter Heimatblätter Dez. 1996

Der Grenzer 11. Sept. 1963